„Jubel, Trubel, Eitelkeit“ in der Mühltalpost

Traisa. Im Foyer der prachtvollen Schönheitsklinik steht ein kümmerliches Pflänzchen. Ein abgedrehter Künstler hat ihm gerade Blätter entrissen und betrachtet nun entzückt seine „Installation“. „Ich habe mein InIMG_5243nerstes zum Äußeren transferiert“, sagt er begeistert von sich selbst. Die Adlige betrachtet das Kunstwerk angetan und streicht sich über ihr frisch vergrößertes Dekolleté: „Phantastisch! Und so reduziert!“ Der Künstler, wunderbar exzentrisch gespielt von Reiner Böttcher, und die abgehobene Adlige, überzeugend verkörpert von Kerstin Neidhart, sind   nur zwei der urkomischen Charaktere, die sich in der Schönheitsklinik Schwanensee aufhalten – dem Ort, in dem die diesjährige Komödie des Ohlebach Theaters spielt. Mit dem Stück „Jubel, Trubel, Eitelkeit“ von Winnie Abel zeigt das Kult-Theater köstlich-komische Figuren im Beautywahn. Zum Beispiel eine von Weight Watchers frustrierte Hobbyköchin, gespielt von KathOhlebach_Theaterarina Sellier, oder die fettleibige Fleischfachverkäuferin Rosa aus Sachsen, in deren Figur Gerhild Spicale im wahrsten Sinne des Wortes „aufgeht“. Rosa ist durch einen Lottogewinn zu Reichtum gekommen und will sich jetzt in der Schönheitsklinik „mal ordentlich kernsanieren lassen“. Leider fällt sie dabei auf den Heiratsschwindler Moritz rein (Thomas Friedrichs). Er ist in der Klinik, um sich mit Liftings und Haartransplantationen „verfremden zu lassen“. Das ist auch bitter nötig, schließlich sind Auftragskiller hinter ihm her – geschickt vom wütenden Vater der ausgebeuteten Verflossenen. Doch als dieses, von Sylvia Bund gespielte, eigenartige und reiche Töchterchen auch noOhlebach_Theater_Szenech in der Klinik auftaucht und der Heiratsschwindler deshalb ein wahnwitziges Versteckspiel beginnt, ist das Chaos perfekt. Für viele Lacher sorgt auch ein schnöseliger Schönheitschirurg, fies blasiert gespielt von Georg Merkert. Doch ihm selbst vergeht das Lachen spätestens, als seine Ex-Verlobte Sabrina (Elisa Stamm) Rache schwört und ihm dann auch noch ein Dorfbulle auf die Pelle rückt, der seinen letzten großen Fall wittert (Tilmann Wabel). Garniert wird der turbulente Theaterabend durch die spitzen Kommentare der schlappmäuligen Klinikangestellten Frau Kehrer (Lisa Fischer), die dem Publikum Lachtränen in die Augen treiben – eine absolut sehenswerte Inszenierung. Weitere Vorstellungen sind am 1., 2., 8., 9., 15., 16., 22. und 23. November in Traisaer Hans-Seely-Halle. Karten gibt es in der Sparkasse Traisa.

Fotos: Tim Maier

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